Formel D

Fahrzeugerprobung 2.0

Formel D Experten im Interview


Fahrzeugerprobungen dienen der Absicherung der Fahrzeugqualität unter verschiedensten äußeren Bedingungen. Formel D unterstützt ihre Kunden bei der kompletten Vorbereitung, Organisation und Durchführung von Erprobungsfahrten sowohl auf öffentlichen Straßen als auch auf nicht-öffentlichen Rennstrecken und Prüfgeländen. Im Interview informieren Mario Knop (Director Competence Center bei Formel D) und Wei Zhang (Director Sales bei Formel D in China) über aktuelle Herausforderungen in der Branche und das Formel D Leistungsportfolio.

Wie wirken sich die neuen Mobilitätsthemen auf den Bereich Fahrzeugerprobung aus?

Mario Knop: Die klassischen Bereiche der Erprobung werden ergänzt durch alternative Antriebe, Connected/Community Services sowie erweiterte fortschrittliche Fahrassistenzfunktionen bis hin zum autonomen Fahren. Die neuen Technologien haben jeweils spezifische Anforderungen. Neben der Erprobung und Absicherung neuer Funktionen bzw. Antriebsarten geht es dabei auch um die vorherige bzw. parallele Gewinnung von Umgebungs- und Infrastrukturdaten.

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Die klassischen Bereiche der Erprobung werden ergänzt durch alternative Antriebe, Connected/Community Services sowie erweiterte fortschrittliche Fahrassistenzfunktionen bis hin zum autonomen Fahren.

Bei der Elektromobilität spielt zum Beispiel neben der Reichweite auch die Zuverlässigkeit des Antriebs unter verschiedensten Umgebungsbedingungen und im Zusammenspiel mit den übrigen Fahrzeugkomponenten eine große Rolle. Hinzu kommt die Absicherung der Kompatibilität mit der verfügbaren Ladeinfrastruktur in einzelnen Ländern bzw. Regionen.

Fahrassistenzfunktionen werden heute mit ansteigender Komplexität zunehmend einer virtuellen Absicherung unter Einbringung vielfältiger Szenarien unterzogen. Hier gilt es für Formel D, die Szenarien-Kataloge durch Verkehrssituationen, die im realen Fahrbetrieb eingefangen werden, weiter zu vervollständigen. Zudem werden aber auch die Markttauglichkeit und Zuverlässigkeit neuer Funktionen parallel bzw. im Anschluss erprobt – und das unter realen und möglichst vielfältigen Bedingungen.

Die Akzeptanz von Connected Services wie das Streamen von Musik oder Echtzeitinformationen bei der Parkplatzsuche durch spätere Anwender ist maßgeblich geprägt durch die jederzeitige Verfügbarkeit und erwartungskonforme Funktion. Je nach Zielsetzung sind zunächst umfangreiche Daten im öffentlichen Verkehrsraum zu erfassen und zu bewerten – wie z. B. die Position von Ladesäulen oder ausgewiesene Parkplätze in Innenstädten – und anschließend in entsprechenden Applikationen verfügbar zu machen. Abschließend empfiehlt sich häufig eine Validierung unter realen Bedingungen.

Mit welchen Maßnahmen reagiert Formel D auf diese neuen Herausforderungen? Hat die Unternehmensgruppe ihr Leistungsspektrum in dem Bereich erweitert?

Mario Knop: Formel D ist in den zuvor beschriebenen Themenfeldern in allen Kernmärkten tätig und hat alleine im Jahr 2018 rund 21 Mio. Erprobungskilometer zurückgelegt. Unsere große Stärke ist es, dass wir global aufgestellt sind und Projekte in Europa, Amerika sowie Asien zentral aussteuern können. Dadurch sind wir in der Lage, einheitliche Qualität zu gewährleisten. Wir qualifizieren weltweit Mitarbeiter für die neu entstehenden Anforderungen – zum Beispiel im Bereich der Elektromobilität von der elektrotechnisch unterwiesenen Person (EuP) bis zur Elektrofachkraft – und schulen sie je nach Einsatzgebiet zudem in den Bereichen Fahrzeugtechnologie und Fahrsicherheit kontinuierlich. Unsere mobilen Einsatzteams betreuen die Fahrzeug- und Messtechnik, erfassen länderübergreifend Umgebungsdaten zur Entwicklung von Fahrassistenzsystemen sowie Connected Services und erproben erweiterte Funktionen im Fahrzeug. Der Kunde wird dabei permanent – mindestens wochenweise – auf dem Laufenden gehalten, sodass er bei Bedarf frühzeitig Optimierungsmaßnahmen einleiten kann.

Wei Zhang: Formel D China bedient den größten Binnenmarkt im Bereich der Fertigung und des Verkaufs von Automobilen. Wir führen Erprobungen nicht nur für herkömmliche Fahrzeuge durch, sondern auch für neue Elektrofahrzeuge und autonome Fahrzeuge. Insbesondere bei der Erprobung von selbstfahrenden Autos steht nicht mehr nur das Fahrzeug im Mittelpunkt, sondern auch das gesamte Fahrkonzept einschließlich der Wahrnehmungs-, Entscheidungs- und Ausführungssysteme. Außerdem übertragen wir die Methodik unserer Leistungen aus der Automobilindustrie kontinuierlich auf die Internetfirmen, die Systementwickler.

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Für welche Fahrzeugtypen bietet Formel D Leistungen in der Erprobung an?

Mario Knop: Wir bieten die Leistungen für sämtliche Fahrzeugtypen an – vom Motorrad über den Pkw in allen Ausprägungen einschließlich Supersportwagen bis hin zum Nutzfahrzeug, was vom Kleintransporter bis hin zu schweren Lkws und Bussen alles einschließt. Die Erprobungen führen wir sowohl auf Prüfgeländen als auch auf öffentlichen Straßen durch – in einer zunehmenden Zahl von Projekten auch länderübergreifend. Je nach Anforderung erstrecken sich unsere Leistungen von den Bereichen Fahrzeugaufbau, Umrüstung und Tarnung über das Flottenmanagement und die Bereitstellung von Erprobungsstützpunkten bis hin zum Erprobungsbetrieb einschließlich der technischen Betreuung der Fahrzeuge.

An welchen Standorten und in welchen Ländern liegen die Schwerpunkte?

Mario Knop: Neben den für Formel D stetig wachsenden Erprobungs- und Absicherungsumfängen in Europa, Amerika, Russland und Indien wird China zunehmend zu einem für uns und unsere Kunden sehr bedeutsamen Markt. Gestützt durch eine innovationsfreundliche Politik und hohe Investitionsbereitschaft, werden in China werden neue Technologien mit großer Geschwindigkeit entwickelt und in die Produktlandschaft integriert. So gibt es derzeit allein im Bereich der Elektromobilität rund 200 Start-ups, die teilweise bereits auf dem Markt sind oder sich diesen in Kürze mit ihren Produkten erschließen möchten. Hinzu kommen wie in den USA Internet-Technologiekonzerne, die Plattformen für autonomes Fahren aufbauen und dabei ebenfalls die Funktionalität absichern müssen.

Wei Zhang: In den letzten 1,5 Jahren hat Formel D China den Geschäftsbereich der Fahrzeugerprobung mit rasantem Tempo aufgebaut. Inzwischen beschäftigen wir über 250 qualifizierte Fahrer, die sich darauf spezialisiert haben, Erprobungen für Fahrzeuge mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren genauso wie für Elektrofahrzeuge und autonome Fahrzeuge durchzuführen. Von unseren Dienstleistungen profitieren sowohl zahlreiche westliche und chinesische OEMs als auch neue Technologieunternehmen.

Unter welchen unterschiedlichen Bedingungen führt Formel D Erprobungen durch?

Formel D erprobt Fahrzeuge in einem Temperaturbereich von -50 °C bis +30 °C.

Mario Knop: Formel D führt ihre Erprobungsfahrten nicht nur auf den unterschiedlichsten Geländeprofilen durch (Offroad-, Schlechtwege-, Überland-, Stadt-, Autobahn-Erprobungen), sondern auch bei unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen. In diesem Zusammenhang ist besonders Russland erwähnenswert, wo vom arktischen über kontinentales bis zum subtropischen Klima fast alle Klimazonen vertreten sind und Fahrzeuge in einem Temperaturbereich von -50 °C bis +30 °C erprobt werden können. Dies bietet uns zum Beispiel die Möglichkeit, im Winter bei dauerhaft -30 Grad Celsius Fahrzeugfunktionen sowohl auf Prüfgeländen als auch auf öffentlichen Straßen unter realen Bedingungen zu testen. Ein entscheidendes Kriterium bei der Strecken- und Standortwahl ist natürlich die Ziel- und Marktgruppe des jeweiligen Auftraggebers für ein bestimmtes Fahrzeug.

Welche Rolle spielt das Softwaretesting bei Formel D?

Mario Knop: Für die Autofahrer rücken Infotainment-, Telefonie- und Navigationssysteme sowie die Verbindung des Fahrzeugs mit der Außenwelt immer mehr in den Vordergrund. Hier führen wir Funktionserprobungen unter den unterschiedlichsten realen Bedingungen durch. Darüber hinaus gibt es diverse Formel D Projekte im Bereich Aftersales, bei denen das Softwaretesting der Funktionsabsicherung von Fahrzeugprogrammier- und Diagnosesystemen dient.

Welche Herausforderungen sehen Sie in den kommenden Jahren und wie bereitet sich Formel D darauf vor?

Mario Knop: Neben den bereits erwähnten Technologien stellt sich Formel D darauf ein, dass sich auch weitere Antriebsformen weiterentwickeln werden. Darüber hinaus ist für uns der Ausbau der globalen Vernetzung ein zentrales Thema. Wir werden weiterhin eng mit unseren Kunden zusammenarbeiten, um das Zusammenspiel virtueller und realer Erprobungen zu optimieren. Im Hinblick auf den Bereich Big Data wollen wir genau herausfinden, an welchen Standorten unter welchen Bedingungen mit welcher Intensität wir Erprobungen durchführen müssen, um ein bestmögliches Ergebnis zu erzielen und damit ein Fahrzeug in der gesamten Bandbreite abzusichern. Hier wollen wir eine weitere Effizienzsteigerung sowohl für unsere Kunden als auch für uns selbst erzielen. Für all diese Herausforderungen stellen wir bereits heute die Weichen.

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Fahrzeugerprobung 2.0

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Hinweis:
Kürzere Versionen des Interviews sind zu lesen in der Informel Ausgabe 1/2019 und im OEM & Lieferant Ausgabe 2/2019 .

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